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Hannover – Wie ich den Arsch der Welt lieben lernte

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by November 25, 2016 General

Es war ein Abend kurz nach heftigem Tropenregen, in der dampfenden Luft hing der Geruch nach Bananenblattfisch und Curry. Ich saß mit Freunden unter freiem Himmel am Plastiktisch einer Garküche in Singapur, als der Anruf aus dem düsteren Himmel kam: Wir ziehen nach Hannover. Es war, ich geb’s zu, wie ein Tritt in den Bauch. Der Abend war gelaufen.

Zurück in die Heimat nach dreizehn Jahren in Südostasien. Aber konnte es ein Zuhause sein? „Die Fremde ist nicht Heimat geworden”, schrieb Alfred Polgar, “aber die Heimat Fremde”. In Hannover kannte ich keine Seele. Meine Herzensfreunde, meine Familie, alle, die zählen, leben anderswo in der Republik.

Niedersachsen war Niemandsland, bedeutungsloses Terrain mit miesem Ruf. In meinem Kopf war Hannover nichts als eine Karikatur in vergilbten Farben, anziehend wie der Resopaltisch in einer 70er-Jahre-Raucherküche. Kriegszerstört, Messehallen, Stau auf der A2. Sonst noch was?

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