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Monday, September 16th, 2019

Klimakiller: Europaparlament will Palmöl aus Autotanks verbannen

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by January 22, 2018 General

(dpa/mbb) – Wenn man EU-Bürger fragen würde,
welches das umweltschädlichste
Importprodukt überhaupt
ist, würden sicher viele antworten:
Palmöl.
Der pflanzliche Rohstoff
steckt in Kosmetik, in Schokolade
und – trotz seines Rufs als
Klimakiller – auch in Biokraftstoffen.

Viele Verbraucher haben mitbekommen,
dass für die Plantagen
in den Herstellerländern Regenwälder
abgeholzt werden und damit
Lebensräume von Tieren
schrumpfen. Dass von dem umstrittenen
Öl auch Millionen Arbeitsplätze
in Ländern wie Malaysia
oder Indonesien abhängen,
spielt in der öffentlichen Wahrnehmung
aber kaum eine Rolle.

Ein Votum des EU-Parlaments
könnte der Branche nun auf lange
Sicht einen Dämpfer verpassen.
Letzten Mittwoch sprachen sich
die Europaabgeordneten in Straßburg
mehrheitlich dafür aus,
Palmöl künftig als Basis von Biokraftstoffen
zu verbannen.
Mit
dieser Positionierung ist das letzte
Wort aber noch nicht gesprochen:
Bevor der Palmölbann Gesetz
wird, muss sich das Parlament mit
den Mitgliedsstaaten einigen.

Ein Palmölverbot in Biokraftstoffen
wäre eine deutliche Kurskorrektur.
Bisher wird ein Drittel
des in der Union verbrauchten
konventionellen Biodiesels aus
importiertem Palmöl gewonnen.
Zu diesem Ergebnis kommt eine
Studie der Nicht-Regierungsorganisation
Transport & Environment.
Auto- und Lastwagenfahrer
sind demnach die größten Palmöl-
Verbraucher in der EU. Kraftstoff
auf Basis des importierten Rohstoffs
sorge dabei für dreimal so
hohe Treibhausgasemissionen wie
fossile Brennstoffe.

60 Millionen Tonnen Pflanzöl

In Südostasien wird die Debatte
mit Interesse verfolgt. Die beiden
größten Palmöl-Hersteller der
Welt sind Indonesien und Malaysia.
Von den jährlich mehr als
60 Millionen Tonnen Pflanzenöl
werden dort mehr als 80 Prozent
produziert. Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor
also – wobei nach
Ansicht von Kritikern internationale
Konzerne den Markt bestimmen,
während die örtliche Bevölkerung
kaum profitiere.

In Indonesien bedecken Palmölplantagen
15 Millionen Hektar
des Staatsgebiets. Die Ölpalmen
wachsen auf riesigen Plantagen,
streng geometrisch. Es sind Gewächse
der Superlative: bis zu 30
Meter hoch, mit sieben Meter langen
Blättern und Tausenden
Früchten. Vor allem aber: Sie benötigen
viel weniger Platz als andere.
Auf einem Hektar Anbaufläche
lassen sich 3,3 Tonnen
Palmöl gewinnen. Bei Raps, Kokospalme
und Sonnenblumen sind
es nur 0,7.

Auf Borneo, das sich Indonesien
und Malaysia (mit Brunei) teilen,
und auf der Nachbarinsel Sumatra
wurden im vergangenen
Jahrzehnt über sechs Millionen
Hektar Regenwald abgeholzt. Zu
den Leidtragenden gehören neben
dem Klima auch Elefanten und
Orang-Utans, die aus ihrem Lebensraum
vertrieben werden.

Die Zukunft
des
Transports liegt
bei mit grünem
Strom betriebener
Elektromobilität,
nicht bei
Biokraftstoffen.

In den Ländern hängen viele
Arbeitsplätze an der Herstellung
von Palmöl
, gerade für einfache
Leute. Allein in Indonesien sind es
mehr als drei Millionen. Präsident
Joko Widodo und Malaysias Premierminister
Najib Razak warnten
in einer gemeinsamen Erklärung
kürzlich davor, dass bei einer Umsetzung
der „unfairen Praktiken“
der EU Millionen Menschen in ihrem
Leben beeinträchtigt würden.

Verbrauch in der EU ist gering

In Malaysia wurden für eine Petition
an die EU soeben die Unterschriften
von mehr als 600 000
Kleinbauern gesammelt. In manchen
Zeitungen ist schon von einem
„Palmölkrieg“ mit den Europäern
die Rede. Plantagenminister
Datuk Seri Mah drohte bereits mit
Gegenmaßnahmen. „Wenn diese
Hasskampagnen gegen Palmöl
weitergehen, können wir auch zurückschlagen“,
sagte Mah. „Malaysia,
Indonesien und Thailand sind
alles große Käufer von Produkten
der EU.“

EU-Parlamentarier sind trotzdem
überzeugt davon, dass Palmöl
in Tanks nichts verloren hat.
Biodiesel auf Basis dieses Pflanzenöls
könne schlicht nicht als
nachhaltig bezeichnet werden,
heißt es bei den europäischen
Grünen. Es schade der Umwelt und
helfe nicht dabei, die Ziele des Klimaabkommens
von Paris zu erreichen.

Claude Turmes, Mitglied im
Europaparlament für die luxemburgische
grüne Partei Déi Gréng
,
sagte: „Es ist ein wichtiger grüner
Erfolg, dass das Europäische Parlament
die Nutzung von Palmöl als
Erneuerbaren Kraftstoff ab 2021
verbieten will. Die Zukunft des
Transports liegt bei mit grünem
Strom betriebener Elektromobilität,
nicht bei Biokraftstoffen.
“ Allerdings
kritisierte der Abgeordnete
die Abwesenheit von Nachhaltigkeitskriterien:
„Leider haben
die Abgeordneten keine Nachhaltigkeitskriterien
für die Nutzung
von Biomasse gesetzt, die sicherstellen
könnten, dass damit wirklich
ein Beitrag zum Klimaschutz
geleistet wird. Wir fordern die
Mitgliedstaaten auf, sich bei der
energetischen Nutzung von Biomasse
auf Abfall und Reststoffe zu
beschränken. Wir dürfen unsere
Wälder nicht im Namen des Klimaschutzes
verfeuern.“

Nach einer Studie des Singapore
Institute of International Affairs
gehen von Indonesiens Palmölexporten
17 Prozent in die EU.
Malaysia liefert 13 Prozent seiner
Ausfuhren nach Europa. Im Vergleich
zu bevölkerungsreichen
Ländern wie China, Indien oder
Indonesien selbst – wo Palmöl
hauptsächlich zum Kochen und
Backen verwendet wird – ist der
Verbrauch in der EU also eher gering.
Und in Schokolade und Kosmetik
darf das Öl auch in Europa
vorerst weiter verwendet werden.
Den Todesstoß kann die Europäische
Union der Palmölindustrie
also nicht versetzen – egal zu
welchem Ergebnis die Debatte
führt.

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