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Monday, September 23rd, 2019

Langes Warten auf die Koffer am Gepäckband in Düsseldorf

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by October 21, 2016 General

Düsseldorf.   Weil das Bodenpersonal am Flughafen Düsseldorf ausgegliedert wurde, werden späte Flüge oft nur spärlich abgefertigt. Das sorgt für Ärger.

Die gut gelaunten Urlauber applaudieren, dass ihre Maschine endlich in Düsseldorf gelandet ist – doch dann beginnt das nervenaufreibende Warten. Vor allem dann, wenn die Flieger spät abends eintreffen, kommt es oft zu drastischen Verspätungen. Entweder fehlt das Personal für die Treppe am Ausstieg.

Genauso kommt es vor, dass die Mitarbeiter für die Kofferbänder schon im Feierabend sind. Und manchmal ist auch niemand pünktlich da, der sich um die Abfertigung der Passagiere auf den letzten Metern kümmert. Dann kann es sein, dass die Passagiere bis weit nach Mitternacht an stehenden Bändern ausharren müssen. Klar, dass die Urlaubsfreude dann ziemlich schnell verfliegt. Die Taxifahrer am Airport kennen das Problem längst: „Das geht schon seit einigen Wochen so“, sagte ein Fahrer der Redaktion.

Verspätete Flüge

Langes Warten an der Gepäckausgabe am Flughafen Düsseldorf

Verspätete Flüge können für Chaos an den Bändern sorgen – wie erneut in der Nacht auf Montag. Fluggast wartete eine halbe Ewigkeit auf seinen Koffer.

Erst kürzlich erzählte ein NRZ-Leser aus Moers, dass er und seine Mitreisenden nach dem Mallorcaurlaub mehr als zwei Stunden auf die Koffer warten mussten. Letzten Montag erwischte es gleich mehrere Flieger, die (wegen einer Verspätung beim Abflug) kurz nach 23 Uhr in Düsseldorf landeten: Erst mussten sie 25 Minuten in der Kabine ausharren, bis endlich jemand die Treppe herangeschafft hatte. Der Pilot entschuldigte die Lage mit „Personalproblemen beim Bodenpersonal“. Als die Passagiere schließlich erleichtert die Ankunftshalle erreichten, bewegten sich die Bänder erst um 1.20 Uhr. Viele Anschlusszüge waren da längst weg, auch manch vorbestelltes Taxi; genervt die wartenden Angehörigen oder Freunde.

Im Flughafen kam nur eine Ansage vom Band

Besonders ärgerlich war, dass in der Halle niemand über die Lage informierte. Lediglich eine Bandansage erklärte im 15-Minuten-Takt, dass es „Personalengpässe“ und daher „Verzögerungen“ gebe.

Doch warum passiert das so häufig? Offenbar liegt es daran, dass die sogenannten Bodenverkehrsdienste in ausgegliederten Gesellschaften arbeiten, die ihre Mitarbeiter nicht besonders gut bezahlen. Und darum machen diese Mitarbeiter dann besonders pünktlich Feierabend. Späte Maschinen haben dann eben das Nachsehen.

Bei Flughafensprecher Christian Hinkel erfuhr die NRZ, dass die sogenannten Bodenverkehrsdienste im Auftrag der Fluggesellschaften arbeiten. „Es klingt für Außenstehende vielleicht verrückt, aber wir als Flughafenbetreiber sind hier nicht eingebunden. Das ist natürlich keine Entschuldigung, und darum drängen wir die Airlines und die Dienstleister immer wieder, schnellstmöglich Maßnahmen zu ergreifen.“

Änderungen durch Liberalisierung der Märkte

Dass der Flughafen Dienste wie etwa die Kofferabfertigung nicht mehr in Eigenregie führt, liegt an der Liberalisierung der Märkte. Bereits seit Jahren dürfen die Fluggesellschaften die Betreiber frei wählen – und nehmen dann natürlich die billigsten Anbieter.

Spezialgerät

Elektronischer Inspektor soll Gepäckstücke untersuchen

In Düsseldorf wird ein Spezialgerät entwickelt, das in Zukunft herrenlose Gepäckstücke auf Sprengstoff untersuchen soll. Marktreife für 2019 avisiert.

Vor der Liberalisierung waren die Bodendienste beim Flughafen tariflich im Öffentlichen Dienst gebunden. Sie verdienten also anständig, Ausfälle gab es da kaum. Wegen des Kostendrucks musste diese Flughafen-Firma (sie heißt FDGHD) schließlich drastisch Personal abbauen. Die Hälfte der 800 Mitarbeiter musste Ende 2014 gehen; immerhin einigermaßen sozialverträglich. Die kleine Rest-Firma des Flughafens kümmert sich heute nur noch um den Bustransfer und die Flugzeug-Enteisung.

Dritte Abfertigungslizenz

„Weil es in den letzten Monaten häufig Beschwerden über lange Wartezeiten gab, drängten wir als Flughafen beim Verkehrsministerium auf eine dritte Abfertigungslizenz“, erklärt Flughafensprecher Christian Hinkel. Für Air Berlin arbeitet derzeit noch die Firma Aviapartner. Doch weil diese zuletzt nicht immer genügend Personal für die Gepäckabfertigung bereitstellen konnte, wechselt Air Berlin ab Dezember zum spanischen Anbieter Acciona, der in Düsseldorf bereits für Tuifly oder Singapore Airlines aktiv ist.

Vielleicht gilt ja dann, was eigentlich als Richtgröße gilt: Dass nämlich Gepäckstücke spätestens 20 Minuten nach der Landung auf dem Band liegen sollten.

Manfred Lachniet

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