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Sunday, December 15th, 2019

Luftfahrt: Riesenflieger A380 landet bald in Fuhlsbüttel

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by August 18, 2016 General

Hamburg. In diesem Winter wird für rund zehn Wochen “Tokio” in Hamburg liegen. Normalerweise fliegt Lufthansas A380 mit dem Namen der japanischen Hauptstadt von Frankfurt aus Metropolen wie Los Angeles, New York, Delhi und Singapur an. Am 16. Oktober wird die Maschine mit der Registrierung D-AIMD in Hamburg-Fuhlsbüttel landen – auf dem Flughafen ist das größte Passagierflugzeug der Welt regulär nicht im Einsatz. Von dort wird der Jet auf das Gelände von Lufthansa Technik rollen. Der vor sechs Jahren in Dienst gestellte Flieger wird bei dem Reparatur- und Wartungsspezialisten seine erste große Überholung erhalten.

Mindestens drei A380-Maschinen sollen in diesem Winter auf dem Gelände am Weg beim Jäger den sogenannten Intermediate Layover Check (IL-Check) erhalten, teilte das Unternehmen auf Abendblatt-Anfrage mit. Eventuell kommen noch weitere Exemplare hinzu. Die Kranich-Linie betreibt insgesamt 14 Flugzeuge des Großraumjets. Die ersten beiden in Dienst gestellten Flugzeuge bekamen die Überholung im vergangenen Winter auf den Philippinen. Das Werk in Manila habe nun aber einen Kapazitätsengpass, hieß es vom Unternehmen. Deswegen habe man sich vor wenigen Tagen für die Hansestadt entschieden.

Eine gute Nachricht für das Werk, das zuletzt mit dem lang­fristigen Abbau von 700 Stellen bei der Triebwerksüberholung Negativschlagzeilen machte. Aus der Branche ist aber auch zu hören, dass die Konzernmutter Lufthansa mit der in Manila abgelieferten Qualität nicht zufrieden gewesen sein soll. “Hamburg ist der beste Standort, um eine hochwertige Kabine herzustellen. Wir haben die kürzeste Durchlaufzeit”, sagt Otto Langkopf-Li, der sich als Projektleiter um die Einführung des A380 kümmert.

Verweste Mäuse, Ratten und anderes Getier

Es gibt viel zu tun, wenn das 72,70 Meter lange Flugzeug ab Mitte Oktober in den Hallen steht. “Alles muss raus”, könnte das Motto lauten. 509 Sitze von der First- bis zur Economy-Klasse müssen auf den beiden Decks ausgebaut werden. 18 Bordküchen und 17 Toiletten verlassen ihren Platz. Handgepäck­fächer, Verkleidungen und Teppiche werden entfernt. “Die Fußböden müssen raus, um zu überprüfen, ob die Sitzschienen korrodiert sind”, sagt Langkopf-Li. Beispielsweise wirke die Säure des Orangensaftes aggressiv. Roststellen werden entfernt oder das ganze Teil erneuert. Besonders anfällig ist naturgemäß der Nassbereich. Langkopf-Li: “Wir legen die tragende Struktur des Flugzeugs komplett frei, um sie auf Korrosion und Risse zu prüfen.” Schließlich hat das Flugzeug heute schon fast 26.000 Flugstunden mit heftigen Temperaturschwankungen hinter sich, die extremen Kräfte bei gut 2600 Starts und Landungen hinterlassen Spuren.

Rund zwei Wochen brauchen die Mitarbeiter, bis die mehr als 600 Qua­dratmeter große Fläche leer geräumt ist. Geruchsfrei geht das nicht ab. Hinter den Verkleidungen finden sich auch schon mal verweste Mäuse, Ratten und anderes Getier. Im Anschluss wird die Kabine etwa fünf Wochen lang überholt, wobei sich die Arbeiten teilweise auch überlappen. Zum Beispiel werden Sitze lackiert und mit Leder bezogen. In den letzten beiden Wochen der Liegezeit erfolgen Funktionskontrollen.

250 zusätzliche Werkzeuge sind notwendig

Die Arbeiter im Werk von Lufthansa Technik auf den Philippinen brauchten dafür offiziell 90.000 Arbeitsstunden. Die Hamburger hoffen, schneller zu sein. Bis zu 80.000 Arbeitsstunden peilen sie an. “Beim ersten Mal sind viele Abläufe noch nicht optimal eingespielt, am Ende wollen wir auf 65.000 Arbeitsstunden runter”, sagt Langkopf-Li. 107 Modifikationen soll der A380 erhalten, das heißt, die Technik wird auf den neuesten Stand gebracht.

Um die 1000 Inspektionspunkte für Mechanik, Elektronik und Flugzeugstruktur müssen Mitarbeiter auf ihren Arbeitskarten abstempeln. Sie setzen Wirbelstrom und Ultraschallgeräte ein, um Risse zu finden. Die Rolls-Royce-Triebwerke bleiben im Normalfall übrigens an der Maschine. Ihr Zustand wird dauerhaft über Internet und Satellit gecheckt. Am Anfang des Aufenthalts auf der Flugzeugwerft werden sie auf Schäden begutachtet und bekommen eine Inspektion. Auch das Fahrwerk bleibt unter dem Jet und wird nur geprüft.

Seit Anfang Juni bereitet sich das Hamburger Werk auf die A380-Ankunft vor. Langkopf-Li muss sich um vier große Themenfelder kümmern. Mehrere Millionen Euro müssen allein für neue Werkzeuge investiert werden. Beispielsweise muss eine Hydraulikanlage gekauft werden, mit der Ruder und Landeklappen ohne die Kraft aus den Triebwerken bewegt werden können. Hebegeräte, ein Gestell zum Abnehmen der Landeklappen und Testequipment stehen auch auf dem Bestellzettel. Insgesamt sind 250 zusätzliche Werkzeuge für den A380 notwendig.

Am A380 arbeiten bis zu 250 Beschäftigte pro Tag

Zweitens müssen die Verbrauchsmaterialien wie Ringe zur Befestigung von Leitungen organisiert werden. An der Halle müssen Änderungen vorgenommen werden, weil der A380 ein anderes Stromnetz als andere Flugzeuge hat. Und viertens müssen die Mitarbeiter geschult werden. Rund 60 Beschäftigte werden in sechswöchigen Lehrgängen mit anschließender Prüfung auf den Einsatz an dem Flugzeug vorbereitet.

In der Spitze werden mit dem Jet pro Tag bis zu 250 Personen beschäftigt sein – nicht jeder braucht eine spezielle A380-Prüfung. Ende des Jahres soll “Tokio” Hamburg wieder verlassen und Anfang des Jahres Platz für “Zürich” machen. Im Frühjahr soll “Wien” folgen.

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