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Wednesday, November 20th, 2019

Millionen Hektar Wald in Indonesien brennen für Palmöl

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by April 22, 2016 General

Shampoo, Schokolade, Zahnpasta: In über der Hälfte aller Produkte steckt Palmöl. Um das “flüssige Elfenbein” zu gewinnen, werden in Indonesien jedes Jahr Millionen Hektar Wald verbrannt – illegal. Davon profitiert laut Umweltverbänden auch die Regierung.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Unaufhaltsam frisst sich die Feuerwalze durch den Regenwald. Zwölf Millionen Hektar jährlich – jeden Tag eine Fläche so groß wie 300 Fußballfelder – fackeln Plantagenbesitzer auf Sumatra und Borneo ab, um Platz für Palmen zu schaffen. Angepflanzt kilometerweit in Reih und Glied. “Flüssiges Elfenbein” wird das Palmöl genannt – und es steckt in über der Hälfte aller Produkte, die wir täglich im Supermarkt kaufen, wie Umweltexperte Nic Zezevic erklärt. “Palmöl ist ein billiger Grundstoff für fast alles, das wir im Küchenschrank haben. Es steckt in Haarshampoo, Schokoriegeln, Zahnpasta, Eiscreme, Seife, Lippenstift, Wurst, Brot – also wie sollen wir das stoppen können?”

“Grünes Öl” ist eine Mogelpackung

Unilever, Procter & Gamble, Nestle, Loreal, Kelloggs – alle großen Nahrungsmittelkonzerne beziehen das sogenannte “grüne Öl” vom weltgrößten Palmölproduzenten Indonesien. Doch “grün” ist eine Mogelpackung. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace spricht vom “Ground Zero für unsere Erde”. Denn durch die illegalen Brandrodungen wird mehr klimaschädliches CO2 in die Atmosphäre gepustet als durch sämtliche Autos, Flugzeuge und Schiffe weltweit zusammen. Außerdem vernichten die außer Kontrolle geratenen Feuer die Lebensräume des Sumatra-Tigers und der vom Aussterben bedrohten Orang-Utans.

Fetter weißer Dunst vernebelt die Sicht

In Singapur gibt es sogar Lieder über “The Haze” – den sogenannten Nebel, der von den brennenden Regenwäldern Indonesiens bis nach Singapur hinüberweht. Fetter, weißer Dunst, der nach verbranntem Essen riecht, die Bronchien reizt, die Augen tränen lässt. Regelmäßig warnen die Nachrichten, ohne Atemmaske nicht ins Freie zu gehen; die Singapurer sehen die Stadt vor Augen nicht.

Dieses Jahr soll es erstmals nicht so schlimm werden mit dem “Haze”, verspricht die Regierung in Jakarta. Indonesien habe substanzielle Schritte unternommen, um die illegalen Brandrodungen zu verhindern, erklärte Indonesiens Umweltministerin Nurbaya – ohne allerdings zu präzisieren, welche Schritte das sind.

Weißer Qualm vernebelt die Sicht. | Bildquelle: REUTERS

Indonesien verdient “viel Steuergeld an der Palmölproduktion”

Umweltaktivisten bezweifeln ohnehin, dass Indonesien wirklich ernst macht mit dem Kampf gegen die Brandrodungen. Dafür sei Palmöl ein viel zu großes Geschäft, sagt Bombong Hadi von der Umweltorganisation “friends of the earth”. “Wir werden regelmäßig von der Regierung unter Druck gesetzt, wenn wir diese Umweltkatastrophe anprangern”, sagt Hadi. Zwar seien die Brandrodungen illegal, aber Indonesien verdiene sehr viel Steuergeld an der Palmölproduktion “Das steckt viel Verlogenheit dahinter. Singapur beispielsweise protestiert jedes Jahr in Jakarta gegen den Haze – aber das ist pure Show. Eine Menge der Unternehmen, die mit Palmöl handeln, sitzen nämlich ausgerechnet in Singapur.”

Und so wird es wohl weitergehen mit dem “Haze” und dem Husten und den tränenden Augen. Bis der Regen den Dunst wieder vertreibt. Bis zum nächsten Jahr. Oder bis die Verbraucher begreifen, dass sie einen sehr hohen Preis bezahlen für billige Lebensmittel und Schönheitspflege.

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