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Monday, August 26th, 2019

Virus – Zika breitet sich aus

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by September 2, 2016 General

01. September 2016

Das überlebt kein Moskito: Giftiger Dampf in Singapurs Straßen.  Foto: WALLACE WOON/dpa

Singapur will die Überträger-Mücke ausrotten, in Thailand sehen Experten keinen Grund zur Aufregung.

Der Himmel über Südostasiens Stadtstaat Singapur ist vom Haze verschleiert, dem grauen und stinkenden Qualm, der wieder einmal wegen den alljährlichen Brandrodungen in Indonesien die Luft verpestet. Am Boden schießen Stadtarbeiter aus allen Rohren ihrer Qualmkanonen auf jedes Blatt, jeden Strauch und jeden Wassertümpel, den sie entdecken. Singapur versucht allen Ernstes selbst die letzte Mücke zu vernichten, die sich in einem Busch des rund sechs Millionen Einwohner zählenden Stadtstaats verstecken könnte.

Anlass der Qualmoffensive: Die Behörden entdeckten insgesamt 82 Fälle des Zika-Virus und schlugen Alarm. Lokale Ärzte bleiben zwar gelassen. „Viel Lärm um nichts“, sagt ein Mediziner, der wohlweislich seinen Namen nicht nennen will, und empfiehlt seinen männlichen Patienten: „Sofern sie keine Schwangerschaft planen, gibt es keinen Grund zur Aufregung.“ Die Behörden sind anderer Meinung. Sie fürchten den Zika-Virus weniger wegen seinen Gefahren für schwangere Frauen und ihre Babys.

Nach der internationalen Panik wegen SARS und Vogelgrippe vor einigen Jahren soll nun selbst der leiseste Verdacht im Keim erstickt werden, das in dem internationalen Finanzzentrum ein Gesundheitsrisiko besteht. Die USA, Australien, Südkorea und Taiwan warnten schwangere Frauen bereits vor Besuchen in Singapur. „Es sind die gleichen Moskitos, die auch Dengue verursachen“, rechtfertige ein Behördensprecher die Qualmoffensive. Damit sprach er ein Problem an, das tatsächlich seit Jahren in Südostasien wächst und nicht auslöschbar scheint. In der ganzen Region nehmen die Fälle der schweren Krankheit, für die es keine Medizin gibt, zu. Zweit- und Drittansteckungen mit Dengue können tödlich verlaufen.

Virus seit Jahren vorhanden

Abwechselnde Dürreperioden und massive Regenfälle verwandeln sowohl Asiens Megametropolen wie auch die Provinzen in wahre Mückenparadiese. In Thailand, das von internationalen Gesundheitsbehörden bereits als „rote“ Risikozone eingestuft wurde, herrscht trotz Dengue- und Zikarisiko Gelassenheit.

„In diesem Jahr nahm die Zahl der gemeldeten Zika-Fälle zu, weil wir im Gegensatz zur Vergangenheit mehr testen“, erklärte Apichal Mongkol, Direktor der staatlichen Abteilung für Medizinische Wissenschaft. In den ersten sechs Monaten entdeckten die Gesundheitsbehörden des südostasiatischen Königreichs 97 Zika-Fälle.

In den vergangenen Jahren meldeten die Provinzen nur fünf bis sechs Fälle jährlich. Vier Provinzen stehen auf Thailands Beobachtungsliste. Tatsächlich war der Zika-Virus in dem Land, das gegenwärtig von einer Militärdiktatur regiert wird, bereits seit Jahren vorhanden – und bekannt, bevor Wissenschaftler die Gefahren für Schwangere und ungeborene Babys entdeckten. Eine Mitteilung des „European Centre for Disease Prevention and Control“, wonach der Zika-Virus sich „wachsender und weiterverbreiteter Übertragung“ erfreue, wird von den Gesundheitsbehörden in Bangkok schlichtweg bestritten. Über die Nachbarländer gibt es bislang kaum Informationen.

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