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Saturday, December 7th, 2019

Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut besucht Singapur – Das Land gilt als Tor in den asiatischen Raum J ede Menge Start- ups im Stadtstaat – Auch SAP sieht große Chancen

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by November 23, 2016 General

Von Roland Muschel, RNZ Stuttgart

Singapur. “Block 71” beherbergt – zwischen zugigen Gängen in aufgeräumten Büros voller junger T-Shirt-Träger – die Zukunft Singapurs. Jedenfalls einen Teil davon. In dem 70er-Jahre-Gebäude tummeln sich 250 Startup-Unternehmen. Der asiatische Stadtstaat unterstützt hier vom Computerspiele-Entwickler bis zum Hersteller von Linsen für Handykameras alles, was sich zu einem Geschäft entwickeln könnte. “Wir müssen in dem Bereich auch mehr tun!”, lautet das Fazit von Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut nach der Führung durch das asiatische Zentrum.

Auf ihrer ersten Auslandsreise besucht die CDU-Politikerin, begleitet von Mittelständlern, Politikern und Wissenschaftlern, zwei Tage lang Singapur. Mit dem Stadtstaat pflegt Baden-Württemberg seit langem gute Handelsbeziehungen; 1995 hat die Landesbank hier das erste “German Centre” ins Leben gerufen, um die Auslandsgeschäfte heimischer Mittelständler vor Ort zu unterstützen. 2015 hat Baden-Württemberg Waren im Wert von 1,1 Milliarden Euro nach Singapur exportiert, das sind 3,4 Prozent mehr als im Vorjahr. “Als Exportland müssen wir diesen Wachstumsmarkt ständig beackern“, sagt die Ministerin.

Neben Firmenbesuchen und Vier-Augengesprächen mit Ministern steht auch ein Gespräch mit der Leiterin der Nationalgalerie, Chong Siak Cheng, auf ihrem Programm. In wenigen Tagen feiert die Nationalgalerie erst ihr einjähriges Bestehen; ihr Vorzeigewerk ist ein vier Meter großes Ölgemälde des Indonesiers Raden Saleh von 1849. Es zeigt Tiger, die vor einem Waldbrand flüchten.

Tatsächlich soll die von der politischen Führung des “Tiger”-Staats geförderte Kunstszene jedoch Investoren und deren Mitarbeiter ins Land locken und das Image der asiatischen Weltstadt fördern – Zensur, Kaugummiverbot und Todesstrafe zum Trotz. “Um weiter zu wachsen, brauchen wir neue, eigene Ideen. Singapur versucht deshalb, mehr kreative Industrie anzusiedeln. Und Kunst fördert kreatives Denken”, sagt Chong Siak Cheng, die zuvor selbst Unternehmerin war.

Der 5,5-Millionen-Einwohner-Staat gilt traditionell als “Tropenübungsplatz“, als Tor zu den neun weiteren Asean-Staaten mit insgesamt über 600 Millionen potenziellen Kunden. Fast 1500 deutsche Unternehmen steuern von Singapur aus bereits ihre Geschäfte in den Asean-Staaten und oft auch darüber hinaus – davon 300 Firmen aus Baden-Württemberg. Singapur ist das drittreichste Land der Welt und der industriell weitest entwickelte Staat im heterogen Asean-Verbund, zu dem auch das wirtschaftlich stark rückständige Myanmar zählt. “Es gibt in Singapur praktisch keine Korruption, aber qualifizierte Arbeitskräfte und einen sicheren Rechtsrahmen für Investoren”, zählt Tim Philippi, Geschäftsführer der Deutsch-Singapurischen Außenhandelskammer, die Vorteile auf. Dagegen stehen hohe Personal- und Flächenkosten, gibt Jörg Ellerkmann zu bedenken, Südostasienchef des Ditzinger Maschinenbauers Trumpf. Trotzdem lohne es sich.

Start-up-Unternehmen, Digitalisierung, Industrie 4.0 – der Kleinstaat will nicht nur Tor nach Asien sein, sondern bei Zukunftsthemen möglichst den Ton angeben. “Bei Industrie 4.0 haben wir die Nase noch vorn, aber Singapur holt schnell auf”, sagt Dietrich Birk, Südwest-Geschäftsführer des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagerbauer. Schon deshalb gelte es, dranzubleiben – und die Chancen der Fokussierung Singapurs auf Investitionen in Bereiche wie autonomes Fahren oder die vernetzte Stadt zu nutzen.

Die sich bietenden Möglichkeiten will auch der Walldorfer Softwarehersteller SAP nutzen. “Die Nachbarstaaten schauen stark auf Singapur”, sagt Thomas Zipperle, kaufmännischer Leiter von SAP Asia. Wer hier Erfolg hat, hat ihn – mit zeitlichem Abstand – also mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in der Region. “Alle Asean-Märkte wachsen sehr dynamisch und haben eine sehr junge, wissbegierige Bevölkerung”, sagt Zipperle. “Für SAP bietet das im Rahmen der Digitalisierung enorme Chancen.” Gerade im Vorreiterstaat Singapur spiele die Technologie eine große Rolle. So wird von der Steuererleichterung bis zur Beantragung einer Arbeitserlaubnis vieles online erledigt.

Modernste Sicherheitstechnik ist eines der Segmente, auf die das Stuttgarter Unternehmen Bosch setzt, das schon seit 1923 in Singapur präsent ist. Bei einer Führung durch das Werk in Singapur zeigt Martin Hayes, Präsident von Bosch Asean, den Besuchern ein kleines Gerät an der Decke, das aussieht wie ein unauffälliger Feuermelder. Dahinter verbirgt sich eine “intelligente Kamera”, die die Gemütsverfassung aufgezeichneter Personen analysieren kann. Eingesetzt wird das Gerät am neuen Terminal des Singapurer Flughafens, um potenzielle Terroristen aufzuspüren.

“Singapur”, sagt ein Bosch-Mitarbeiter bei der Führung, “ist eine der am meisten beobachteten Stadt der Welt”. Das gilt mit Blick auf die hohe Kameradichte, aber auch mit Blick auf die wirtschaftliche Sonderrolle des Stadtstaats.

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