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Monday, September 23rd, 2019

WTA-Finals in Singapur: Kerber will lernen, nein zu sagen

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by October 29, 2016 General











Freitagnachmittag kam wieder das Kamerateam der ARD vorbei. Auf der Aussichtsplattform des luxuriösen Spielerhotels an der Marina Bay war das Team zu einem weiteren kleinen Dreh mit Angelique Kerber verabredet, zu einem nett verpackten Hinweis auf die Übertragung ihres Halbfinales bei den WTA-Finals in Singapur an diesem Samstag. Keine Frage, im Moment wäre es von Vorteil, wenn Kerbers Terminplan Platz für 36 Stunden hätte, und an dieser Konstellation wird sich so bald auch nichts ändern.





Denn es macht nicht nur sportlich einen riesigen Unterschied, wie vor einem Jahr zur gleichen Zeit die Nummer zehn der Weltrangliste zu sein oder die eins wie im Moment und wie garantiert auch in den ersten Wochen des kommenden Jahres. Es öffnen sich fast täglich neue Türen. Der Tag des Halbfinales in Singapur könnte der vorletzte Arbeitstag für Angelique Kerber im Oktober sein, bei einem Sieg gegen Titelverteidigerin Agnieszka Radwanska aus Polen stünde das Spiel um den Turniersieg gegen Dominika Cibulkova oder Swetlana Kusnezowa am Sonntag als letzter großer Posten auf dem Programm.




Bald heißt es abtauchen – zumindest kurz

Aber das Jahr hat ja bekanntlich danach noch zwei Monate, und nur in zwei Wochen dieser zwei Monate wird sie abtauchen und sich erholen können; das mit dem Abtauchen darf man vermutlich wörtlich nehmen, denn Angelique Kerber hat schon länger die Lizenz zum Tauchen, und sie liebt die Unterwasserwelt. Für die Zeit von Mitte November bis Ende Dezember liegen bei ihrem neuen Partner für Medienarbeit und Management, dem früheren Tennisprofi und heutigen Arzt Aljoscha Thron (29 Jahre), allein 50 Anfragen aller Art auf dem Tisch.




Thron wurde Ende September, unmittelbar nach den US Open, vom damaligen Management, der Arena11 Sports Group, vorgestellt. Am Tag vor dem Beginn der WTA-Finals in Singapur hatte Angelique Kerber angedeutet, es habe sich einiges getan und ergeben in ihrem Umfeld. Eine Umstrukturierung sei im Gange, Genaueres werde man nach dem Ende des Turniers erfahren. Doch es ging schneller; am Freitag wurde bekannt, Thron sei nun offiziell allein verantwortlich für das Management der Nummer eins des Frauentennis.




































Sie kennt den Neuen länger; Thron gehörte früher schon mal zum erweiterten Team. Er findet, sie habe extrem viel gelernt in den vergangenen Jahren und übernehme Verantwortung. „Sie präsentiert sich als neue Botschafterin des Tennis.“ Eine Rolle, die unübersehbar Interesse weckt. Seit Ende September ist Angelique Kerber Marken-Botschafterin einer Versicherungsgruppe – für einen Sportwagenhersteller ist sie in seiner solchen Position schon seit Januar 2015 unterwegs –, zwei weitere Partner von Rang werden demnächst dazukommen, Gespräche mit einem dritten sind im Gang.




Thron sagt, es gehe jetzt darum, den Namen Kerber nachhaltig und global als Marke zu plazieren, und er ist optimistisch, dass das gelingen wird. Doch diese Phase des Überganges setzt sorgfältige Planung voraus. Denn in den beiden Monaten nach dem Ende der Saison 2016 bis zum Abflug nach Australien Ende Dezember zur Saison 2017 sind nicht nur Auftritte bei der Wahl der Sportler des Jahres, bei der Bambi-Verleihung oder diversen Fernsehshows unterzubringen, sondern möglichst und vor allem ein ausgedehnter Trainingsblock.




Eine der Grundlagen für den Gewinn der Grand-Slam-Titel von Melbourne und New York und für den Sprung an die Spitze der Weltrangliste wurde im November und Dezember vergangenen Jahres gelegt. Fitter denn je und vor allem im Schulterbereich mit sichtbar besser definierter Muskulatur war Angelique Kerber im Januar zum ersten Turnier in Brisbane erschienen, und von dieser Basis zehrte sie während der ganzen Saison.




Genau das steht nun wieder auf dem Plan. Keine Kleinigkeit, die enorm gestiegene Aufmerksamkeit und eine gewisse Gründlichkeit unter einen Hut zu bringen, zumal im ersten Jahr an der Spitze. Angelique Kerber sagt, zu den Dingen, die sie in diesem umwerfend erfolgreichen Jahr gelernt habe, gehöre, gelegentlich nein sagen zu müssen. Verträge mit Leben zu füllen bedeutet in ihrem Fall aber auch, das Niveau zu halten, so schwer das auch sein mag.












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Mal sehen, wie alles zusammenpassen wird. Am letzten Turnierwochenende 2016 landete jedenfalls eine Nachricht mit reichlich Vorlauf im elektronischen Postkasten für 2017. Die Gerry Weber Open in Halle teilten mit, zum 25. Geburtstag des Turniers werde Angelique Kerber bei der so genannten Champions Trophy am 17. Juni in einem Mixedspiel aufschlagen, der Partner stehe noch nicht fest. Wer auch immer dieser Partner sein wird – er wird vermutlich nur die zweite Geige spielen. Viele Dinge im deutschen Tennis sehen definitiv anders aus als vor einem Jahr.


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