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Monday, September 23rd, 2019

Kerbers Kraft ist aufgebraucht

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by October 30, 2016 General
BNP Paribas WTA Finals 2016 in Singapore

Angelique Kerber: Braucht sichtbar Erholung

(Foto: dpa)

  • Angelique Kerber scheitert in ihrem erfolgreichsten Jahr im Endspiel der WTA-Finals an Dominika Cibulkova.
  • Nach 81 Matches in einer Saison sehnt sie sich nach “viel, viel Ruhe”.
  • Ab November beginnt aber auch die Zeit der Ehrungen.

Torben Beltz ist auf den Platz gegangen, nach dem ersten Satz, er kniete sich vor Angelique Kerber und redete auf sie ein. Sie solle den Kopf oben lassen. Sie solle ihre Punkte aufbauen, indem sie mehrmals auf die Rückhand der Gegnerin spielt, um dann auf deren Vorhandseite mit größtmöglicher Härte zu zielen. Sie solle mit Stopps überraschen. “Du nimmst jetzt den Fight an und gehst richtig ab”, sagte Beltz, ihr Trainer, ein freundlicher Schlaks aus Itzehoe. Diesmal, beim Saisonabschluss, fehlte Kerber dann aber doch die Kraft, auch mental, um richtig abzugehen. Es gewann eine, die gespielt hatte wie Kerber so oft in diesem Jahr, mit Herz, mit Leidenschaft, mit einem Willen, der groß war wie ein Berg im Himalaja. Die bessere Kerber hieß Dominika Cibulkova.

Mit 6:3, 6:4 setzte sich die Slowakin am Sonntag im Singapore Indoor Stadium im Endspiel der WTA-Finals durch, bei dem die acht besten Frauen um den Jahrestitel spielten. Für den größten Erfolg ihrer Karriere erhält die 28-Jährige, die 2014 im Finale der Australian Open stand (und gegen die Chinesin Li Na verlor), rund 1,9 Millionen Euro, Kerber blieben 1,1 Millionen Euro. Der Triumph Cibulkovas beinhaltete die Besonderheit, dass sie ihre ersten beiden Partien in der Gruppenphase verloren hatte, in drei Sätzen gegen Kerber, in zwei Sätzen gegen die Amerikanerin Madison Keys.

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Cibulkovas spezielle Besonderheit wiederum liegt darin begründet, dass sie mit nur 1,61 Meter Körpergröße extrem klein ist, diesen Wettbewerbsnachteil aber mit extrem viel Einsatz wettmacht. “Pocket Dynamo” oder “Pocket Rocket” lauten ihre Spitznamen. Ja, sie ist quasi ein Energiebündel, das in die Hosentasche passt. Will man die Wortspielerei auf die Spitze treiben, böte sich auch die Übersetzung ihres Nachnamens an, der bedeutet “Zwiebelchen”. Und als solche trieb sie Kerber diesmal ganz real Tränen in die Augen.

Zwei statistische Vergleichswerte drückten die Unterlegenheit der 28 Jahre alten Deutschen aus. Cibulkova gelangen 28 direkte Punktgewinne, Kerber 14. Cibulkova unterliefen 14 leichte Fehler, Kerber 23. In der Summe spielte Kerber also zu passiv und ließ sich links und rechts rumscheuchen. Und ihr fehlte die Sicherheit. Gerade wenn diese Fähigkeit in ihrem Spiel fehlt, gerät Kerber in Not.

Sie hat nicht wie Serena Williams einen brachialen Aufschlag, mit dem sie sich im Match halten kann. Ihre Kampfkraft, auch ihre mentale, war jedenfalls sichtbar eingeschränkt. Kerber bestritt in diesem für sie unglaublichen Tennisjahr immerhin ihr 81. Match. Dass sie noch mal alles geben wolle, wie sie vor dem Finale meinte, drückte es aus: Kerbers Energiehaushalt 2016 war aufgebraucht.

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